Das Lied der Anderen

Über den Film

Synopsis

Ist es unausweichlich, dass sich die Geschichte mit all ihren Albträumen immer wieder wiederholen muss?

Aufgewachsen in einer Zeit, in der in vielen Ländern Europas Aufbruchsstimmung herrschte, in der alte Denkmuster überwunden schienen und nationale Grenzen abgebaut wurden, sieht sich der Autor mit dieser existenziellen Frage konfrontiert. Er beginnt eine filmische Recherche, und folgt dabei den Spuren alter Verwerfungen quer durch Europa.

Die Begegnungen unterwegs führen ihn Schritt für Schritt tiefer in die Frage nach unserem Umgang mit Geschichte und Erinnerung. Und sie lassen ihn Muster erkennen, die von Generation zu Generation weitergereicht werden und in denen wir als Gesellschaft gefangen zu sein scheinen. Er trifft auch auf zahlreiche Menschen, die in ihrem Denken und Handeln Ziele verfolgen, die ausserhalb kurzfristigen Zweckdenkens liegen.

Im Film fügen sich diese Begegnungen zu einem Chor, der auf Wege in eine Zukunft ausserhalb der sich wiederholenden Albträume verweist, die diesen Kontinent seit Jahrhunderten prägen.

Protagonisten

Daan Verfaillie

Daan Verfaillie

"Mit jeder Granate, jeder Mine, die du beseitigst, rettest du potentiell ein Leben. Wenn nicht sofort, dann vielleicht in zehn Jahren oder vielleicht in hundert Jahren [...] Du beseitigst eine potenzielle Gefahr für eine Frau, für ein Kind, für wen auch immer."

Mitarbeiter des Kampfmittelräumdienstes von DOVO (EOD / Explosive Ordnance Disposal), einer Spezialeinheit der Belgischen Streitkräfte, die Kriegsmunition birgt und entschärft.

"1,5 Milliarden Granaten wurden vor hundert Jahren im 1. Weltkrieg verschossen, von denen rund ein Drittel nicht explodiert ist. Am 11. November 1918 lagen hier also rund 500 Millionen Granaten rum, irgendwo im Boden…"

Evi Nomikou

Evi Nomikou

«Wenn wir Prognosen für die Zukunft stellen wollen, müssen wir die Vergangenheit verstehen lernen. Das ist das einzige Mittel, das wir haben. Die Vorgänge heute tief im Boden bewirken die Veränderung der Landschaft an der Oberfläche von morgen.»

Geologin, Vulkanologin und Professorin an der Universität von Athen.

Für Evi Nomikou ist die Insel Santorini mit ihrer sichtbaren, tektonischen Bruchkante ein offenes Buch der Erdgeschichte.

«Die Geologie hilft uns, die Zusammenhänge zu verstehen. Wenn wir die Verbindung zu den Zusammenhängen verlieren, sehen wir nicht die Konsequenzen unserer Handlungen.»

Alma Ganz

Alma Ganz

«Unser Chor Pontanima entstand im Grunde aus dem Krieg. Menschen unterschiedlicher Religionen und nationaler Herkunft kamen zusammen... vereint durch die gemeinsame Liebe zur Musik, das nährte den Geist unseres Chores.»

Dirigentin des Pontanima Chores, Sarajevo. Dirigentin, Dozentin für Pädagogik und Musiktheorie.

«Wir waren immer überzeugt, dass unsere eigenen Überzeugungen uns ermutigen sollten, auf den anderen zuzugehen. Ihre Lieder zu singen. Das Singen als eine Einladung, einander kennenzulernen. Mach einen Schritt auf den anderen zu, nicht um ihn zu assimilieren, sondern um persönliches Wachstum zu erfahren.»

Tomasz Wesłowski

Tomasz Wesłowski

«Wenn wir alle auf dieselbe Weise denken, im selben Format, laufen wir Gefahr, dass wir fatalen Irrwegen bis zum Schluss folgen. Und umgekehrt bringen wir uns um die Möglichkeit, eine vielleicht bessere Lösung für ein Problem von jemandem wahrzunehmen, der eine andere Perspektive auf die Dinge hat.»

Ornithologe der Universität Wrocław, studiert seit über 30 Jahren die Vögel im Wald von Białowieża, den letzten Urwald Europas.

Dževad Karahasan

Dževad Karahasan

«Die Vergangenheit nährt die Gegenwart und die Zukunft. Erinnerung ernährt das menschliche Denken, so wie der Boden seine Pflanzen ernährt.»

Schriftsteller aus Sarajevo. Dramatiker, Essayist, Dramaturg und Literaturwissenschaftler.

Während des Bosnienkrieges wurde Sarajevo vier Jahre lang von serbischen Milizen belagert (1992–1996). In dieser Zeit wurde die Nationalbibliothek Vijećnica mutwillig mit Phosphorgranaten beschossen und ist mitsamt 2-3 Millionen Büchern und Manuskripten ausgebrannt. 20 Jahre nach der Zerstörung wurde das Gebäude renoviert und dient heute Repräsentationszwecken und kann für Hochzeiten und Firmenanlässe gemietet werden.

«Dieses Gebäude hat heute keine Erinnerung mehr. Nichts erinnert sich hier mehr an die jungen Menschen, die hier studiert und geträumt haben – nichts. Es ist ein Ort, an den ausschliesslich Touristen kommen. Und in einer Welt, in der Tourismus herrscht, ist niemand Zuhause.»

Credits

Protagonist:innen

Róbert Molnár, Luigi Rotolo, Guy Spenle, Michel Petitjean, Daan Verfaillie, Evi Nomikou, Tomasz Wesołowski, Jovan Divjak, Dževad Karahasan, Nermin Ibrulj, Alma Ganz, Ronny Nygård, Ingrid Sommerseth

Regie

Vadim Jendreyko

Buch und Recherche

Vadim Jendreyko, Anna Götte

Kamera

Marcus Winterbauer, Jonas Jäggy, Vadim Jendreyko

Ton

Patrick Becker, Maria Molina, Moritz Springer

Schnitt

Giles Gardner, Vadim Jendreyko

Originalmusik

Daniel Almada

Sound Design

Daniel Almada

Produzent

Vadim Jendreyko

Assoziierte Produzent:innen

Hercli Bundi, Susanne Guggenberger

Herstellungsleiter

Pascal Moor

Colorist and Digital Composition

Hannes Rüttimann

Pre-mix und Tonmischung

Daniel Almada, Dominik Avenwedde, Sound Studio TSL

Produktion

Mira Film GmbH, Zürich

In Koproduktion mit

SRF Schweizer Radio und Fernsehen und SRG SSR

Redaktion SRF

Urs Augstburger

Nationale Koordination SRG SSR

Sven Wälti

In Kooperation mit

Udo Bremer, ZDF/3sat

Gefördert von

Bundesamt für Kultur BAK

Swisslos-Fonds Basel-Stadt

Swisslos-Fonds Basel-Landschaft

Fachausschuss Film und Medienkunst BS / BL

Zürcher Filmstiftung

SUISSIMAGE

Succès Passage Antenne, SRG SSR

S. Fischer Stiftung

Volkart Stiftung

Grenzgänger Programm Robert Bosch Stiftung

Literarisches Colloquium Berlin

Verleih Schweiz

Vinca Film GmbH

Technische Details

Format

16:9

Länge

136min

Farbe

Ja

Jahr

2024

Original Sprache

Deutsch, Englisch, Griechisch, Bosnisch, Flämisch, Polnisch, Französisch, Chinesisch

Untertitel

Deutsch, Englisch

Land

Schweiz

ISAN

0000-0004-5473-0000-1-0000-0000-Y